Kleidung richtig messen: Achsel zu Achsel, Länge, Bund & Co.
Kleidung richtig messen für deine Anzeige – so bestimmst du Achsel zu Achsel, Länge, Ärmel, Bundweite und Innenbein flach und genau, Schritt für Schritt.

Größe M ist nicht gleich Größe M – je nach Hersteller, Schnitt und Jahrzehnt fällt sie ganz unterschiedlich aus. Wer Kleidung richtig messen kann und die Maße in die Anzeige schreibt, beantwortet die Frage, die sich alle Käufer stellen, schon vorab: Passt mir das? Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie du Oberteile, Hosen, Röcke, Kleider, Taschen und Schals vermisst.
Warum Maße mehr sagen als die Größe
Größenangaben sind von Hersteller zu Hersteller verschieden. Ein Pullover in M kann bei einer Marke weit und bei der nächsten eng geschnitten sein, Oversized-Teile fallen bewusst größer aus, und Vintage-Kleidung folgt oft ganz anderen Größentabellen. Dazu kommen Teile, die beim Waschen etwas eingelaufen sind.
Maße schaffen Klarheit. Käufer können ein gut sitzendes Teil aus dem eigenen Schrank genauso hinlegen, messen und vergleichen: Je näher die Werte beieinanderliegen, desto ähnlicher sitzt das neue Teil. Diesen Trick kannst du übrigens auch nutzen, wenn du selbst Second-Hand kaufst.
Das funktioniert aber nur, wenn alle nach denselben Regeln messen – und genau die lernst du hier.
Vorbereitung: Werkzeug und die wichtigste Grundregel
Du brauchst nicht viel:
- ein flexibles Maßband, wie es zum Nähen verwendet wird
- eine glatte, ebene Fläche wie einen Tisch oder den Fußboden
- dein Handy, um die Werte zu notieren
Kein Maßband zur Hand? Für gerade Strecken wie Achsel zu Achsel oder die Länge funktioniert auch ein Zollstock.
So bereitest du das Teil vor:
- Schließ Knöpfe und Reißverschlüsse.
- Leg das Teil mit der Vorderseite nach oben glatt auf die Fläche.
- Streich Falten aus, ohne den Stoff zu dehnen.
- Leg das Maßband gerade an, nicht schräg und nicht entlang von Rundungen.
Die wichtigste Grundregel lautet: flach messen und das auch so dazuschreiben. Du misst nur die obere Lage des liegenden Teils, zum Beispiel die Breite von Seite zu Seite. Das entspricht ungefähr dem halben Umfang. Fehlt der Hinweis „flach gemessen“, verdoppeln manche Käufer den Wert und andere nicht – und schon passt es nicht. Miss in Zentimetern und runde auf halbe oder ganze Zentimeter.
Oberteile: Pullover, Shirts, Blusen und Jacken
Achsel zu Achsel
Achsel zu Achsel ist das wichtigste Maß bei Oberteilen. Leg das Maßband etwa 2–3 cm unterhalb der Achseln quer über das Teil und miss von Seitennaht zu Seitennaht. Verdoppelt ergibt der Wert ungefähr den Brustumfang des Kleidungsstücks – nicht den des Körpers. Ein Pullover mit 54 cm Achsel zu Achsel hat also rund 108 cm Umfang und sitzt bei 100 cm Brustumfang entsprechend locker.
Länge
Miss vom höchsten Punkt der Schulter direkt neben dem Kragen senkrecht nach unten bis zum Saum. Nicht schräg und nicht von der Kragenmitte aus – sonst lässt sich der Wert schlecht mit anderen Teilen vergleichen.
Ärmel
Leg den Ärmel glatt und gestreckt hin und miss von der Schulternaht bis zum Ende des Bündchens. Bei Raglanärmeln gibt es keine Schulternaht. Miss dann ab dem Kragen und schreib das dazu, etwa „Ärmel ab Kragen“. Bei überschnittenen Schultern sitzt die Naht tiefer am Arm – auch hier hilft ein kurzer Hinweis, damit Käufer den Wert richtig einordnen.
Schulterbreite (optional)
Bei Blazern, Hemden und Mänteln lohnt sich zusätzlich die Schulterbreite: gerade von Schulternaht zu Schulternaht gemessen.
Besonderheiten bei Jacken und Mänteln
Miss Jacken und Mäntel geschlossen, so wie man sie trägt. Kapuze und Gürtel lässt du bei der Länge außen vor. Bei dicken Daunen- oder Steppjacken drückst du die Füllung nicht platt, sondern legst das Maßband nur locker auf.
Hosen und Jeans
Bundweite
Schließ Knopf und Reißverschluss, leg die Hose flach hin und miss gerade über die Oberkante des Bundes von einer Seite zur anderen. Der doppelte Wert entspricht ungefähr dem Bundumfang. Bei einem Gummibund misst du im entspannten Zustand und gibst, wenn du magst, zusätzlich den gedehnten Wert an.
Innenbein
Miss vom Schritt – dort, wo sich die Nähte zwischen den Beinen treffen – an der inneren Beinnaht entlang bis zum Saum. Am Innenbein sehen Käufer am schnellsten, ob die Hose zu ihrer Beinlänge passt.
Gesamtlänge
Miss an der Außenseite von der Oberkante des Bundes bis zum Saum. Wer es genau mag, ergänzt die Leibhöhe (vorne vom Schritt bis zur Oberkante des Bundes) und die Saumweite (Breite des Hosenbeins am Saum, flach gemessen). Shorts misst du genauso wie lange Hosen.
Tipp: Jeansgrößen stehen oft in Zoll auf dem Etikett, etwa W28 L30 – W steht für die Weite am Bund, L für die Beinlänge. Ein Zoll sind 2,54 cm. Deine gemessenen Zentimeter sagen aber mehr als jedes Etikett.
Rock, Kleid, Tasche und Schal
- Rock: Bundweite flach an der Oberkante sowie die Länge von der Oberkante des Bundes bis zum Saum.
- Kleid: Achsel zu Achsel, Taille an der schmalsten Stelle (flach) und Länge vom höchsten Schulterpunkt neben dem Kragen bis zum Saum. Wickelkleider und Teile mit Gummizug misst du geschlossen und ungedehnt.
- Tasche: Breite und Höhe, bei Bedarf auch die Tiefe. Bei Henkeln oder Schulterriemen hilft die Länge des Riemens, bei verstellbaren Riemen die kürzeste und die längste Einstellung.
- Schal: Länge und Breite. Schreib dazu, ob die Fransen mitgemessen sind.
Maße in der Anzeige angeben – im Text und als Bild
Am besten nennst du die Maße doppelt: im Text und als Bild.
Im Text stehen sie kompakt und eindeutig, zum Beispiel so:
Maße (flach gemessen):
- Achsel zu Achsel: 54 cm
- Länge: 66 cm
- Ärmel: 58 cm
Wie du die übrige Beschreibung aufbaust, zeigt der Ratgeber Die perfekte Vinted-Beschreibung.
Als Bild erfassen Käufer die Maße auf einen Blick, schon beim Durchwischen der Fotos. Dafür fotografierst du das Teil flach liegend und zeichnest die Messlinien mit den Werten ein, zum Beispiel mit einer Bildbearbeitungs-App. Oder du nutzt Model Studio: Du trägst deine gemessenen Werte ein, und aus deinem Handyfoto entsteht ein Maße-Bild, in dem die Maße direkt eingezeichnet sind. Weil dieses Bild von einer KI erstellt wird, kennzeichnest du es als KI-generiert und zeigst den echten Zustand deines Teils zusätzlich auf eigenen Fotos – mindestens ein echtes Foto gehört immer in die Anzeige.
Zusätzlich kannst du ein echtes Foto mit aufgelegtem Maßband zeigen, etwa beim Maß Achsel zu Achsel oder am Innenbein. Das ist ein einfacher Beleg für deine Angaben.
Tipp: Ergänze einen kurzen Hinweis wie „von Hand gemessen, kleine Abweichungen möglich“. Das ist ehrlich und erspart dir Diskussionen um einen halben Zentimeter.
Typische Fehler beim Messen
- Umfang und flache Maße vermischen: Mal verdoppelt, mal nicht – und ohne Hinweis. Entscheide dich und schreib es dazu.
- Gedehnt messen: Gerade bei Strick und Stretch-Jeans werden die Werte so zu groß.
- Nicht glatt hinlegen: Falten und Wellen verfälschen jedes Maß.
- Schräg messen: Das Maßband liegt immer gerade, quer oder senkrecht.
- Falscher Startpunkt: Länge ab Kragenmitte statt ab Schulterpunkt oder Ärmel ab Kragen ohne Hinweis.
- Zoll und Zentimeter verwechseln: Gib deine Maße einheitlich in Zentimetern an.
Mit etwas Übung dauert das Messen nur wenige Minuten pro Teil. Und wenn du für dein Flatlay noch Inspiration brauchst, hilft dir der Ratgeber Kleidung fotografieren ohne Model weiter.
Häufige Fragen
Was bedeutet Achsel zu Achsel?
Das ist die Breite eines flach liegenden Oberteils, gemessen etwa 2–3 cm unter den Achseln von Seitennaht zu Seitennaht. Verdoppelt ergibt der Wert ungefähr den Brustumfang des Kleidungsstücks.
Wie messe ich die Länge eines Oberteils?
Vom höchsten Schulterpunkt direkt neben dem Kragen senkrecht nach unten bis zum Saum. Das Teil liegt dabei glatt und ungedehnt auf einer ebenen Fläche.
Wie messe ich die Bundweite einer Hose richtig?
Schließ die Hose, leg sie flach hin und miss gerade über die Oberkante des Bundes. Verdoppelt ergibt der Wert ungefähr den Bundumfang – schreib dazu, dass du flach gemessen hast.
Was ist der Unterschied zwischen Innenbein und Gesamtlänge?
Das Innenbein misst du vom Schritt entlang der inneren Naht bis zum Saum, die Gesamtlänge außen von der Oberkante des Bundes bis zum Saum. Zusammen zeigen beide Werte, wie lang die Hose ist und wie hoch sie sitzt.


